Freitag, 11. Oktober 2013

Verlagsleiterinnen und die Sache mit der Technik. Hat das Zukunft?

Es ist schön Verlagsleiterin zu sein - man hat alles im Griff und versteht die eigene kleine Verlagswelt. Ich komme jeden Tag gerne ins Büro und plaudere mit den Mitarbeitern darüber, was es so Neues gibt...

 "Die Beta-Version des neuen Illustrator ist nicht kompatibel mit der aktuellen Release des Betriebsystems, weil der letzte Patch einige Keyes in der Registry erased hat."

Häääääää?

"Beim E-Book müssen wir das XML noch debuggen, weil wir nicht die aktuelle DTD haben."

Wie bitte? Wie? Was? - DTD - Höchstgefährliche Substanz! Wollen die den Verlag sprengen oder wie? Finde ich absolut illoyal! Oder haben E-Books jetzt eine neue bösartige Zusatzfunktion?

Der artigste Geschäftsführer von allen ist so freundlich und übersetzt den Kauderwelsch in Verlagsleiterinnen-Sprache. Puhh, Glück gehabt. Verlag wird nicht gesprengt.

Habe bis jetzt keine Technik-Phobie. Trage das Prädikat "advanced user". Verliehen von einem Technikfreak, der entzückt darüber war, dass ich beim Outlook die Funktion "Keine Lesebestätigungen senden" selbstständig entdeckt habe. Aber gut, der ist Kummer gewohnt. Welchen Satz hören Computerfuzzis von anderen am häufigsten: "Ich hab nix gemaaaaacht!"

Bei Ferialjob habe ich einmal die ganze IT-.Abteilung hysterisch aufgescheucht. Aber bitte: Das war berechtigt. Der Bildschirm war plötzlich schwarz! Und ich hab - eh schon wissen - nix gemacht! Katastrophe. Wichtige Informationen weg. Der IT-Spezialsit war blitzschnell zur Stelle und - hm - steckte den Stecker wieder rein. Kann man ja nicht wissen.

Der beste Geschäftsführer von allen fällt stets in einen speziellen Tonfall mit langsamer und betont deutlicher Sprechweise, wenn eine gewisse Verlagsleiterin Computerprobleme vermeldet.

Halte mich aber für aufgeschlossenen User. Gut, bin vielleicht kein Genie. Habe aber wirklich guten Zugang zur Technik.

Schon als Kind beim ersten Kassettenrecorder, der aufnehmen konnte(!!) war ganz klar, was der Bruder mit "Da muss man jetzt den Rückwärtsgang einschalten" gemeint hat.

Im Buch von Sven Gábor Jánszky "2025 - So arbeiten wir in der Zukunft" habe ich höchst gespannt gelesen, was alles auf uns zukommt. Verblüffend - schockiernd - wunderbar ... Buche sofort Technikkurse. Alternative Möglichkeit: Verbünde mich mit Kleinkindern, die mir alles erklären.

Bis ich alles verstanden habe, tarne ich mich. Entwickle eigene Verlagsleiterinnen-Sprechweise. Beim nächsten Technikfuzzi, der mir Unverständlichkeiten präsentiert, brüll ich dann zurück:

"Nimm die aktuelle Beta-Version deines Rückwärts-Releases und patch sie in deine registry!"